Leistungsfähiger und erfolgreicher zu sein, ist nicht mehr nur eine wesentliche Frage für Spitzensportler und Olympioniken. Wir alle leben in einer Leistungsgesellschaft. Und wer möchte nicht fitter, gesünder und schöner sein?!

In diesem Artikel diskutieren wir, wie wichtig Sportzahnmedizin, d.h. Mundgesundheit und -vor allem interdisziplinäres Denken für eine nachhaltige Leistungsfähigkeit ist.

Wer sich zum Spezialisten „Sportzahnmedizin“ ausbilden lassen möchte, sollte sich das Angebot der DGzPRsport – Akademie anschauen…

Artikel im „Der junge Zahnarzt“ / Springer Medizin

Dr. Frank Saathoff

Oliver Pütz

 Deutscher Basketball Bund

 

Autor: Swanett Koops / Heidelberg: Quellenhinweis Springer Medizin Verlag Heidelberg, der junge zahnarzt 2/2021, S. 24-32)

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, das wird keiner bestreiten wollen. Da scheint es ins Bild zu passen, dass sportliche Leistungen jetzt zunehmend auch von Zahnärztinnen und Zahnärzten in den Blick genommen und durch eine entsprechende Behandlung gesteigert werden sollen. Doch wird man der Sportzahnmedizin mit dieser einfachen Sichtweise gerecht? Wohl eher nicht. Denn eigentlich geht es nicht nur darum, dem dreifachen Weltmeister jetzt auch noch den Olympiasieg zu bescheren, sondern allen Menschen zu einem aktiven und gesünderen Leben zu verhelfen.

Noch trifft man bei Menschen, die zum ersten Mal das Wort Sportzahnmedizin hören, hauptsächlich auf verständnislose Gesichter – Sportzahnarzt? Was macht der denn?? Denn die Sportzahnmedizin als Schwerpunkttätigkeit ist noch ein eher junges Fach. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Fernsehserie: „Die Höhle der Löwen“. Dort stellte im Jahr 2016 Dr. Steffen Tschackert, Zahnarzt aus Frankfurt am Main, den Juroren und potentiellen Geldgebern seinen Dental Power Splint als eine wirtschaftlich erfolgreiche Start-Up-Idee vor. Dabei handelt es sich um eine Zahnschiene, die beim Sport getragen wird und durch Veränderung der Bewegungsabläufe im gesamten Körper die Leistungsfähigkeit verbessern soll. Tschackert konnte bei den Geldgebern nicht punkten und ging leer aus. Doch wer weiß? Vielleicht war er dem Trend nur voraus und wäre jetzt, fünf Jahre später erfolgreicher?

Denn die Sportzahnmedizin boomt: „Wir bekommen alle 14 Tage eine Anfrage, ob man bei uns eine Fortbildung in der Sportzahnmedizin machen kann“, berichtet Guido Pawlik, Endodontolge und Gründer der Zahnretter Berlin und der Akademie für Sportzahnmedizin. Diese große Nachfrage kann auch die Akademie Praxis und Wissenschaft (APW), dem Fortbildungsunternehmen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) bestätigen: Das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellscha für Sportzahnmedizin (DGSZM) angebotene Curriculum Sportzahnmedizin ist nach wie vor heiß begehrt. Neben der DGSZM hat sich zudem die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Prävention und Rehabilitation im Spitzensport e.V. (DGzPRsport) und die Deutsche Gesellschaft Zahnmedizin und Medizin für Sportler (DGZSM) formiert, die jeweils ebenfalls ein passendes Curriculum im Angebot haben. Hinzu kommen noch Fortbildungsangebote einzelner Landeszahnärztekammern wie zum Beispiel Hamburg oder durch kleinere Anbieter wie z.B. die Dental School in Tübingen*.

 

Drei Säulen: Vorsorge, Traumatologie, Leistungsförderung

Doch was verbirgt sich denn nun hinter der Sportzahnmedizin? „Die Sportzahnmedizin lässt sich grob in drei Bereiche einteilen: Vorsorge, Traumatologie und Leistungsförderung“, beschreibt es Dr. Holger Haubert, Zahnarzt aus Wathlingen und zertifizierter Team-Zahnarzt für Sportzahnmedizin. Der erste Bereich, die Vorsorge, begleitet ihn praktisch durch jeden Arbeitstag: „Ich spreche die Patienten während den normalen Behandlungen auf die sportzahnmedizinischen Aspekte an. Dabei geht es nicht um eine Marketingmaßnahme, sondern um den Wunsch, die Patienten bestmöglich zu versorgen“, betont Haubert. So klärt er z.B. Sportler über die Bedeutung von gesunder Ernährung im Allgemeinen und die Gefahr von Erosionen durch den Verzehr von Energy-Drinks im Speziellen auf. Oder aber das Risiko von Fehlbelastungen beim Sport durch ungünstige Bewegungsabläufe im Kiefergelenk. „Es geht eben darum, welche Bedeutung eine gesunde Mundsituation für das Befinden im Allgemeiner oder eben besonders beim Sport hat, damit die Patienten ein gesundes und leistungsfähiges Leben führen können“, so Haubert.

Auch für Dr. Julia Heinisch, ebenfalls zertifizierte Team-Zahnärztin für Sportzahnmedizin, ist die Prävention und allgemeine Mundgesundheit ein wichtiger Aspekt der Sportzahnmedizin: „Sportler zeigen häufig einen hohen Behandlungsbedarf. So konnten z.B. in Untersuchungen während der Olympischen Spiele in London bei Sportlern ein gesteigertes Risiko für Karies, Gingivitis und Parodontitis erkannt werden [1].“ Außerdem spielten Abrasionen und Erosionen sowie Ernährungsgewohnheiten mit Sportgetränken, Powerriegeln und anderen Lebensmitteln und Getränken, die den pH-Wert stark absenken, eine große Rolle, so Heinisch weiter. Das alles hat Folgen, wie eine Studie aus dem Jahr 2015 belegt: Bei Fitness Tests unter männlichen Probanden konnte darin festgestellt werden, dass wenigstens ein Zahn mit Attachment loss (AL) über 4 mm die Leistungsfähigkeit reduziert – jeder Millimeter an Taschentiefe verschlechterte den Fitnessstatus um 69%! [2]

Am häufigsten behandelt die Zahnärztin allerdings sportbedingte Zahntraumata, verursacht durch Skiunfälle oder Zusammenstöße bei Kontaktsportarten – womit wir bei dem zweiten Bereich, der Traumatologie, wären. Hier sieht Heinisch allerdings ganz klar noch Verbesserungspotential: „In Deutschland ist die sportzahnmedizinische Betreuung noch längst nicht so populär wie z.B. in den USA. Dort findet kein Sportevent OHNE einen Zahnarzt statt, während es hierzulande eigentlich keine Veranstaltung gibt, bei dem ein Zahnarzt anwesend ist.“ Das wäre aber ihrer Meinung nach auf jeden Fall sinnvoll. Denn nicht nur, dass Sportler generell gründlicher zahnmedizinisch betreut werden sollten, gerade auch die traumatologischen Fälle könnten besser behandelt werden, wenn ein Zahnarzt gleich vor Ort die Behandlung übernimmt. „Dadurch werden die Sportler letztendlich auch schneller wieder fit, können schneller wieder eingesetzt werden und ersparen den Vereinen durch kürzere Ausfälle viel Geld“, meint Heinisch.

Für den Spitzensport zeichnet Dr. Frank Saathoff , Zahnarzt aus Köln und Generalsekretär der DGzPRsport hier allerdings ein anderes Bild: „Die sportzahnärztliche Betreuung im Spitzensport ist heute längst gelebte Realität: Mitglieder der DGzPRsport betreuen mehr als 20 Nationalmannschaften, z.B. auch die Biathleten. Und drei der vier UEFA-Championsleague-Teilnehmer werden durch einen Koordinator der DGzPRsport betreut.“

Damit es gar nicht erst zum Bedarf der traumatologischen Versorgung kommt, ist das Tragen eines Sportmundschutzes bei einigen Sportarten sinnvoll. Deren Anfertigung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Sportzahnmediziners – wobei es hier auch Konkurrenz aus dem Internet gibt. Von diesen Anbietern ist Heinisch nicht überzeugt: „Ich kann nur davon abraten, einen Sportmundschutz im Internet zu bestellen. Sowohl die Atmung, als auch die Sprache sind durch den Mundschutz sehr eingeschränkt. Darüber hinaus geht es nicht nur um den Schutz der Zähne, sondern gleichermaßen um die Abschirmung sämtlicher intraoraler Strukturen und des Weichgewebes. Ich sehe es als meine Aufgabe, den Sportlern etwas an die Hand zu geben, was komfortabel ist und gleichzeitig fest genug, um jede Art von Trauma abzufangen.“ Getan hat sie dies z.B. für eine regionale Jugend-Hockey-Mannschaft. Die Spielerinnen und Spieler hatten häufig Zahnschäden, da besonders wegen der festen Zahnspangen das Tragen eines passenden Mundschutzes ein Problem war. Heinisch hat getüftelt und einen speziellen Sportmundschutz entwickelt, der auch mit Brackets sicher im Mund hält – sehr zur Freude vieler sportbegeisterter Eltern!

 

Fließender Übergang zur CMD-Diagnostik

Von dem Sportmundschutz ist es dann auch nicht mehr weit zum dritten Bereich der Sportzahnmedizin, der Leistungssteigerung. Denn hier geht es zum einen um die Eliminierung leistungsmindernder Prozesse im Körper wie z.B. Entzündungen sowie um die Optimierung der Erholungsphase z.B. durch Entspannungsschienen für die Nacht, aber eben auch und vor allem um die schon von Tschackert angepriesenen Performance-Schienen. Sie soll Eifluss auf Koordination, Beweglichkeit, Bewegungsausmaß und Maximalkraft nehmen. Denn muskuläre Dysbalancen der das Kiefergelenk umgebenden Muskulatur können das muskuloskelettale Gesamtsystem deutlich stören. Diese Veränderungen können vermessenen und diagnostiziert werden, wobei hier der Übergang zur Diagnostik und Behandlung der Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) fließend ist, wie Heinisch bestätigt: „Die Grundlagen der beiden Behand- lungen sind ähnlich. Bei Sportlern gehe ich dann noch ein Stück weiter und lasse sie z.B. mit und ohne Schiene im Mund spezielle Übungen für die Koordination, die Kraft sowie das Gleichgewicht ausführen, was ich bei einer Patientin, die wegen ihrer Kopfschmerzen kommt, nicht mache.“ Diese Schienen haben nichts mit den im Volksmund genannten Knirscherschienen zu tun, betont Sportzahnarzt Haubert. Stichwort sei hier die absteigende Kette: „Die Schienen werden aufgrund der Situation von Muskeln und Gelenken angefertigt. Man nimmt die Zähne sozusagen raus und guckt, wo das ganze Bewegungssystem hin will. Aufgrund dieser Ergebnisse nimmt man mit entsprechenden Schienen dann Korrekturen vor“, erläutert der Zahnarzt.

Klingt erst einmal einfach, ist aber in Wirklichkeit sehr komplex, wie auch Guido Pawlik betont. Er bietet in seiner Praxis und Akademie eher keine allgemeinzahnmedizinische Betreuung von Sportlern, sondern eine sportzahnärztliche Betreuung von Spitzensportlern an. „Zu uns kommen Sportler nicht nur zur Behandlung von Krankheit, sondern vor allem zur Erhaltung von Gesundheit und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit. Begonnen haben wir 2011 mit der Entwicklung einer MSP-Hochleistungsschiene für den Spitzensport, die wir bis heute stetig weiterentwickeln. Wir waren dabei in den Anfängen noch auf die indirekte Wirkung von Zahnschienen auf den ganzen Bewegungsapparat begrenzt. Heute geht es vielmehr um die direkte Optimierung beispielsweise des Maximalkraftsystems, der Wirbelsäulenkonfiguration, des Balance- und des Schwerpunktsystems, der Sauerstoffsättigung, der vegetativen Regulation und der Schlaf- und Regenerationsmuster“, betont der Zahnarzt.

Wobei natürlich die Behandlungen, die einen Spitzensportler leistungsfähiger macht, grundsätzlich jedem Patienten Vorteile bringt, meint Pawlik. Als Beispiel nennt er die Optimierung der Atmung. In seinem Diagnostik-Zentrum kann Pawlik den minimalen Luftröhrenquerschnitt der Patienten dreidimensional vermessen. Und hier gibt es beachtliche Unterschiede: So kann der Durchmesser an der engsten Stelle zwischen 12 und 800 m2 variieren. „Wenn wir hier nun therapeutisch eingreifen und den Querschnitt durch myozentrische Leistungsoptimierung vergrößern, nutzt das nicht nur dem Sportler zu Leistungssteigerung, sondern natürlich auch jedem anderen Patienten.“

Eine Diagnostik und Therapie noch nicht in jeder Praxis zur Verfügung, da die dafür nötige technische Ausstattung das Budget eines Zahnarztes in der Regel sprengen würde, meint Pawlik. Aber er ist sich sicher: Früher oder später werden mehr Menschen davon profitieren können: „Das ist wie eine Entwicklung in der Technik im Autosport: Zunächst sind technischen Neuerungen nur in den Formel-1-Wagen zu finden. Aber irgendwann landet das dann in jedem Auto. Und so werden irgendwann auch Nicht-Sportler von den diagnostischen Neuentwicklungen profitieren und ein gesünderes und beschwerdefreieres Leben führen können.“

 

„Wissen soll sich vermehren!“

Pawlik praktiziert die Sportzahnmedizin auch noch von einer anderen Seite, nämlich der wissenschaftlichen. Mit der Gründung der Akademie für Sportzahnmedizin will er den Wissensaustausch weiter vorantreiben: „Wissen soll sich vermehren“, lautet dazu sein Credo. Und hierzu müsse man erst einmal Daten erfassen und sammeln – wie er es übrigens auch schon bei der von ihm initiierten Datenplattform endo-online.de tat. Für ihn ist dabei der Aspekt wichtig, die Sportzahnmedizin aus dem theoretischen Kontext von Universitäten und Curricula in die Praxis zu holen: „Das Ausschöpfen der sport(zahn)medizinischen Möglichkeiten scheitert häufig an noch fehlendem technischen Equipment und den Grenzen zwischen einzelnen Fachgebieten und verschiedenen Institutionen.“ Bei den Zahnrettern Berlin sei man hier schon ein Stück weiter und kombiniere modernste Technologie aus verschiedensten Fachbereichen der Human- und Zahnmedizin mit dem Verständnis für den Körper als funktionell zusammenhängendes Komplexsystem, so Pawlik.

 

Sportzahnmedizin mit wissenschaftlichem Background

Der wissenschaftliche Background der Universitäten ist auch das prägende Fundament, auf dem die Aktivitäten der DGzPRsport fußen, sagt Dr. Frank Saathoff, Zahnarzt aus Köln und Generalsekretär der Gesellschaft: „Wir von der DGzPRsport wollen eine Sportzahnmedizin mit wissenschaftlicher Relevanz bieten, die nachhaltig ist.“ Somit hebt sich auch das Curriculum der DGzPRsport von anderen Anbietern dadurch ab, dass es viel Zeit für die Vermittlung der Lehrinhalte und den Aufbau eines funktionierenden Expertennetzwerks bereithält, nämlich an sieben Wochenendkursen innerhalb eines Jahres. Zudem sind nach seiner Aussage die Schwerpunkte der unterschiedlichen Anbieter verschieden, was er durch die Tatsache belegt, dass es bei der DGzPRsport durchaus Teilnehmer gibt, die bereits andere Curricula besucht haben und die Inhalte über die DGzPRsport weiter vertiefen möchten. Denn Saathoff betont den Stellenwert des wissenschaftlichen Unterbaus: „Wir arbeiten bei unseren Veranstaltungen mit führenden Referenten und Experten aus den jeweiligen Gebieten zusammen. Das Markenzeichen der DGzPRsport ist ein großes Netzwerk namhafter Professoren, Universitäten und nationaler und internationaler Verbände und Institute.“

Kommen wir an dieser Stelle noch einmal zu den Performance-Schienen zurück. Denn die Meinungen hierüber sind geteilt. So setzen praktizierende Zahnärzte wie Heinisch sie nach eigenen Angaben mit Erfolg ein: „Ich habe einen Profimountainbiker mit einer Performance-Schiene versorgt. Mit der Schiene fährt er jetzt ganz andere Trails, die er sich vorher nicht getraut hat“, berichtet die Zahnärztin. Bei der wissenschaftlich ausgerichteten DGzPRsport wird sie hingegen eher kritisch gesehen – was aber nach Saathoffs Worten nichts mit Meinung, sondern mit Evidenz zu tun: „Auf dem zahnärztlichen Markt werden Schienen verkauft, die eine Leistungssteigerung bis zum 30% bewirken sollen. Als Mediziner sollten wir aus Verantwortung den Sportlern gegenüber den sicheren Boden der Evidenz nicht verlassen. Wir sehen da sehr genau hin! Schienen können medizinisch indiziert sein. In der Therapie tragen sie zur Reduzierung störender Einflussfaktoren bei und optimieren dadurch die Funktion des gesamten Körpers. Die individuelle Leistungssteigerung erfolgt also durch die Gesundung des Athleten – nicht primär durch eine kostspielige Schiene“, meint Saathoff.

 

„Wir müssen interdisziplinär denken und handeln!“

Ganz unabhängig vom fraglichen Nutzen der Performance-Schienen: Wer sich mit dem Thema Sportzahnmedizin beschäftigt, merkt ziemlich schnell, was allen Kollegen wichtig zu sein scheint: Die ganzheitliche Sicht auf einen Patienten. Dazu Dr. Holger Haubert: „Ich möchte die Leute wegbringen von der Vorstellung: Das wichtigste im Mund sind die weißen Zähne. Ich möchte die Sportzahnmedizin in den Alltag der Patienten und damit das Bewusstsein einbinden, dass das oberste Gelenk im Körper, nämlich das Kiefergelenk das Wichtigste am Mund ist.“ Auch Saathoff sieht dies so: „Es geht darum, dass der Mund im übertragenen Sinne endlich wieder in den Körper „zurückverpflanzt“ wird. Wir müssen interdisziplinär denken, handeln und uns vor allem gemeinsam weiterentwickeln. Und wenn man diese Grundidee dann mit dem Spitzensport vereint, bleibt die Entwicklung besonders spannend.“

Wie gestalten sich nun aber die Möglichkeiten, die Sportzahnmedizin in den Praxisalltag zu integrieren? Eines scheint klar zu sein: Als Marketing-Instrument kann die Sportzahnmedizin in der allgemeinen Zahnarztpraxis auf Grund der geringen Zahl an potentiellen Patienten (die Betreuung von Spitzensportlern bleibt verständlicherweise einzelnen Kollegen vorbehalten) und nicht besonders großen Verdienstmöglichkeiten nicht wirklich fungieren – muss sie aber auch gar nicht, meint Haubert: „Die meisten Menschen können mit dem Begriff Sportzahnmedizin gar nichts anfangen. Deshalb kommen die Patienten auch nicht speziell wegen meines Zertifikats zu mir in die Praxis. Meist ergibt sich das im Gespräch. Bei entsprechenden Befunden kläre ich dann eben auch sportzahnmedizinisch auf. Und das ist mein täglich Brot: Allein heute hatte ich drei Patienten, mit denen ich über Sportzahnmedizin oder eine Schienenbehandlung gesprochen habe.“

 

Betreuung von Sportvereinen – ein Ziel für die Zukunft?

Guido Pawlik bleibt trotz seiner Begeisterung für die Sportzahnmediziner auch seinem klassischen Zahnarztdasein treu: Zweieinhalb Tage die Woche widmet er sich den normalen Zahnarzttätigkeiten, danach fließt seine ganze Aktivität in die Funktions- und Sportzahnmedizin. In der Arbeit von Julia Heinisch machen die sportzahnmedizinischen Behandlungen einen Anteil von 17% aus, wie sie ausgerechnet hat. Dabei könnte es nach ihrem Geschmack gerne mehr sein: „Es wäre schon schön, wenn die Sportzahnmedizin mit der Betreuung von Sportvereinen einen größeren Bestandteil meiner Tätigkeit einnimmt. Doch dafür ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt, man müsste die Vereine aktiv ansprechen und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausloten. Hier ist die Entwicklung in Deutschland noch nicht so weit – ganz zu schweigen vom dem Zeitfaktor, denn das volle Bestellbuch lässt nicht viel zeitlichen Spielraum für solche Aktionen.“

Bleibt als letztes noch die Frage: Sind Sportzahnmediziner selber Sportler? Oder was hat den Weg in die Sportzahnmedizin bestimmt? Hier scheint es tatsächlich so zu sein, dass die Sportzahnmedizin eigentlich meist die logische Konsequenz der eigenen sportlichen Begeisterung ist, so z.B. auch bei Dr. Frank Saathoff: „Ich habe selber lange Basketball gespielt, auch parallel zum Studium der Human- und Zahnmedizin. Meine Begeisterung für Sport und Medizin zu vereinen, lag einfach auf der Hand. Und als ich dann mit meinem Studium fertig war, wurde ich natürlich gern als Zahnarzt mit diesem Background zur Behandlung von Sportlern herangezogen.“ Auch bei Julia Heinisch ebnete die eigene „Sportlerkarriere“ den Weg in die Sportzahnmedizin: „Ich bin selber sportlich sehr aktiv, am liebsten alles, was mit Wasser zu tun hat. Zudem war mein erster fester und langjähriger Freund ein Profifußballer, sodass mich der Leistungssportgedanke schon ewig begleitet.“ Als ihr dann vor zwei Jahren ein Flyer zum Curriculum der APW in die Hände fiel, war ihr klar: das mache ich! Und auch, wer selbst nicht der sportliche Überflieger ist, sondern sich vielleicht im normalen Bereich aufhält, hat meist irgendwelche sportlichen Verbindungen, wie Haubert berichtet: „Ich selber gehe joggen, spiele Badminton und trainiere im Fitnessstudio – und ich habe eine sehr sportliche Frau!“

* kein Anspruch auf Vollständigkeit

Literatur

  1. Needleman I et al.: Oral health and impact on performance of ath- letes participating in the London 2012 Olympic Games: a cross-sec- tional study. Br J Sports Med. 2013, 47(16):1054-8
  2. Oliveira JA et al.: Periodontal disease as a risk indicator for poor physical tness: a cross-sectional observational study. J Periodon- tol 2015, 86(1):44-52