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Für Mitglieder und interessierte Besucher finden sich in diesem Bereich interessante Quellenverweise, die einen ein-/Überblick in /über den derzeitigen Wissensstand liefern sollen.

CMD-Diagnostik

Statement der EFP (European federation of Periodontology) zu Gebrauch von Zahnseide / Interdentalbürstchen zur Umsetzung der Interdentalhygiene

Universität Dresden /Publkationen

Kranker Zahnhalteapparat führt zu Wechselwirkungen mit dem Organismus

Von PD Dr. med. Barbara Noack

Eine unbehandelte Parodontitis kann das Risiko für schwere Allgemeinerkrankungen wie Herzerkrankungen und Diabetes erhöhen

Zahnfleischentzündung und Parodontitis zählen zu den häufigsten Infektionskrankheiten in der Mundhöhle und werden durch Bakterien aus dem Zahnbelag ausgelöst. Die Parodontitis ist bei Erwachsenen eine der Hauptursachen von Zahnverlust mit all seinen Konsequenzen. Der Beginn und die Schwere des Erkrankungsverlaufs werden durch verschiedene, die Abwehrreaktionen beeinflussende individuelle Faktoren, wie unzureichende Mundhygiene, Rauchen, Stress, aber auch Allgemeinerkrankungen, bestimmt.

Neuere Untersuchungen zeigten allerdings auch, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko für schwere Allgemeinerkrankungen wie Herzerkrankungen und Diabetes erhöhen kann. Neben der Zerstörung der sichtbaren Zahnhartsubstanz durch Karies können Entzündungen am Zahnfleisch (Gingivitis) und am Zahnhalteapparat (Parodontitis – fälschlicherweise in der Umgangssprache oft Parodontose genannt) zu dessen Auflösung und damit zur Zahnlockerung und letztendlich zum Zahnverlust führen. Das Risiko für Erkrankungen des Zahnhalteapparats steigt mit dem Lebensalter, wobei ein entzündetes Zahnfleisch bei über 90 Prozent der Bevölkerung auftritt – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Die Parodontitishäufigkeit dagegen ist bei Jugendlichen deutlich niedriger als bei Erwachsenen. Allerdings leiden unter den 15-jährigen Jugendlichen bereits reichlich 12 Prozent an einer mittelschweren und 0,8 Prozent an einer schweren Parodontitis an mindestens einem Zahn. Diese Zahlen steigen mit steigendem Lebensalter drastisch an.

Bei knapp 53 Prozent der 35- bis 44-Jährigen tritt eine mittelschwere Parodontitis auf und 20,5 Prozent der Altersgruppe leiden unter einer schweren Form der Erkrankung. Unter den Senioren ist die Parodontitis am weitesten verbreitet. 48,0 Prozent dieser Altersgruppe sind von einer mittelschweren und fast 40 Prozent von einer schweren Ausprägung der Krankheit betroffen.

Allgemeinerkrankungen und Konditionen, die das Parodontitisrisiko erhöhen Wie die Zahnkaries werden Gingivitis und Parodontitis in der Regel durch bakterielle Zahnbeläge verursacht. Den Parodontitisverlauf und die Erkrankungsschwere beeinflussen verschiedene individuelle Faktoren entscheidend. Zu diesen Faktoren zählen das Rauchen, aber auch Allgemeinerkrankungen und Konditionen, die auf die Abwehrmechanismen des Körpers einwirken. Die Zuckererkrankung spielt diesbezüglich eine wichtige Rolle, aber auch Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht sowie schwere Erkrankungen des Immunsystems (zum Beispiel HIV, Leukämie, Zustand nach Organtransplantation) beeinflussen das Parodontitisrisiko.

Des Weiteren können verschiedene Medikamente, Stress, Hormone oder Erbfaktoren die Anfälligkeit für Gingivitis und Parodontitis erhöhen. Durch diese Erkrankungen und Faktoren kommt es zu Veränderungen der Entzündungsreaktionen im Körper und/oder einer geschwächten Abwehr gegenüber Bakterien, die ursächlich für Entstehung und Verlauf der Parodontitis verantwortlich sind.

Parodontitis als Risiko für Allgemeinerkrankungen

Auf der anderen Seite nehmen die Entzündungen in der Mundhöhle beziehungsweise die verantwortlichen Bakterien und deren Stoffwechselprodukte auch Einfluss auf die allgemeine Gesundheit. Krankheitsverursachende Bakterien aus den Zahnfleischtaschen sind zum Teil selbst in der Lage, durch die Zellen des entzündeten Zahnfleisches in die Blutbahn und damit in den Gesamtorganismus zu gelangen. Gleiches trifft für giftige Substanzen und bakterielle Stoffwechselprodukte zu. Auf der anderen Seite spielen aber auch Stoffe eine Rolle, die der Körper als Abwehr gegen die Bakterien produziert. Auch diese Entzündungs- und Abwehrsubstanzen können sich über die Blutbahn im gesamten Körper ausbreiten und Krankheiten begünstigen. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Parodontitisbakterien und ihre Stoffwechselprodukte, aber auch die Entzündungssubstanzen die Entzündung in den Gefäßwänden und damit die Arteriosklerose – die so genannte Gefäßverkalkung – begünstigen.

Dadurch wird das Risiko für das Auftreten von einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall auf bis das Doppelte erhöht. Außerdem reduzieren Bestandteile dieser Bakterien die Wirksamkeit von Insulin, welches für die Blutzuckerregulierung verantwortlich ist, sodass sich die Stoffwechsellage bei Diabetikern verschlechtern kann und es vermehrt zu Diabeteskomplikationen wie Nierenerkrankungen, Augenerkrankungen oder auch Arteriosklerose kommt. So haben an Parodontitis erkrankte Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Parodontitis- Diabetikern eine über doppelt so hohe Sterberate aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei dem gleichzeitigen Vorliegen einer solchen schweren Parodontitis. Die Sterberate aufgrund von diabetischen Nierenerkrankungen war bei Parodontitispatienten sogar über achtmal so hoch. Es wird auch diskutiert, dass Schwangere, die an einer Parodontitis leiden, ein höheres Risiko haben, ein frühgeborenes, untergewichtiges Kind zur Welt zu bringen. Allerdings gibt es zu dieser Problematik noch recht widersprüchliche Untersuchungsergebnisse. Aber auf jeden Fall sollte sich besonders in der Schwangerschaft um gesunde Verhältnisse im Mund bemüht werden. Das liegt nicht nur im Interesse des ungeborenen Kindes, sondern auch im Interesse der Mutter, da die Entzündungsbereitschaft erhöht ist und damit auch das Risiko für das Auftreten oder das Voranschreiten einer Zahnhalteapparatserkrankung.

Weitere Erkrankungen, die unter Verdacht stehen, negativ durch Parodontitis beeinflusst zu werden, sind Lungenerkrankungen oder das Rheuma.

In den letzten Jahren konnte in einer Vielzahl von klinischen Untersuchungen gezeigt werden, dass die Behandlung einer Parodontitis nicht nur die Mundgesundheit und die Prognose für den Zahnerhalt verbessert, sondern sich auch positiv auf den Verlauf zum Beispiel der Zuckerkrankheit oder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt. Diese Studienergebnisse stützen die Theorie über einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Allgemeinerkrankungen.

Gemeinsame Risikofaktoren für Parodontitis und Allgemeinerkrankungen

Neben den Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Allgemeinerkrankungen werden auch Faktoren diskutiert, die Parodontitis und systemische Erkrankungen gleichermaßen beeinflussen, wobei neben dem Rauchen und einer allgemein ungesunden Lebensweise (Stress, ungesunde Ernährung etc.) genetische Risikofaktoren eine bedeutende Rolle zu spielen scheinen. Die Anfälligkeit für sowohl Zahnhalteapparaterkrankungen als auch für eine Reihe chronischer Allgemeinerkrankungen wird durch angeborene Faktoren (Erbfaktoren) in entscheidendem Maße bestimmt. Die Art und das Ausmaß der Wirtsreaktionen auf den Angriff der Parodontitis-Mikroorganismen, das heißt die lokale Entzündungs- und Abwehrantwort, ist zumindest teilweise von Erbfaktoren vorgegeben. Das Gleiche gilt für verschiedene chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Somit kann beim Vorliegen einer besonderen erblichen Veranlagung das Risiko für das Auftreten sowohl für Parodontitis als auch für systemische Erkrankungen gleichermaßen erhöht sein.

Fazit: Gingivitis und Parodontitis werden durch Bakterien im Zahnbelag ausgelöst, Schwere und Verlauf der Erkrankung sind jedoch hauptsächlich von der Körperabwehr abhängig, die durch eine Vielzahl von Allgemeinerkrankungen und andere individuelle Faktoren bestimmt wird. Demgegenüber scheint die Parodontitis aber auch selbst den Verlauf und das Risiko systemischer Erkrankungen zu beeinflussen, wobei Diabetes oder chronische Herz-Kreislauf- Erkrankungen besonders betroffen sind. Mit anderen Worten: eine gute Mundgesundheit wirkt sich auch positiv auf die Allgemeingesundheit aus. Deshalb ist die Vorbeugung beziehungsweise Behandlung von Zahnfleischerkrankungen als Grundvoraussetzung für langfristigen Zahnerhalt ebenso wichtig für das Vermeiden und Bekämpfen weitverbreiteter chronischer Allgemeinerkrankungen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Medizin und Zahnmedizin ist für die Zukunft unverzichtbar, um dem scheinbar unaufhaltsam steigenden Auftreten chronischer Erkrankungen entgegenzuwirken.

AHA- American Heard Association

Journal of clinical Periodontology

Sportschienen / Mundschutz Empfehlung der DGZMK / wissenschaftliche Stellungnahme

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde empfiehlt in einer von R. A. Mischkowski und J.E. Zöller, Köln (Stellungnahme V 1.0, Stand 12/99), DZZ 55(00) das Tragen eines Mundschutzes bei folgenden Sportarten:

  • American Football
  • Baseball
  • Basketball
  • Boxen und andere Kampfsportarten
  • Eishockey
  • Feldhockey
  • Fußball
  • Geräteturnen
  • Handball
  • Inline-Skating
  • Radsport, insbes. Mountainbiking
  • Reiten
  • Rugby Skate-Boarding
  • Wasserball

Die Einschätzung der DGzMK in ihrer wissenschaftlichen Stellungnahme sei durch mehre Studien belegt, die 23% -39% aller Zahn- und Mundverletzungen auf sportliche Aktivitäten zurückführen. In etwa 80% seien die oberen Frontzähne betroffen, was häufig den Verlust eines oder mehrerer Zähne zu Folge habe. Das bedeute für betroffene Patienten oft eine lebenslange Betreuung wegen der sich in Folge des frühzeitigen Zahnverlustes entwickelnden Probleme.

Das Tragen eines geeigneten Mundschutzes stelle eine wirkungsvolle Schutzmaßnahme zur Vermeidung von sportbedingten Zahn-, Mund-, Kieferverletzungen dar. Vergleichsstatistiken zeigten, daß das Risiko bis um den Faktor 60 reduziert werden könne. Neben der unmittelbaren Schutzwirkung für die Zähne werde gleichzeitig auch die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der Lippen, der Zunge, des Oberkiefers/ Unterkiefers, sowie der Kiefergelenke gesenkt.

Zudem sei eine wichtige Funktion des Mundschutzes das Abfangen der Kräfte, die auf den Unterkiefer einwirken und auf den Schädel übertragen werden. Dadurch vermindere sich das Risiko eine Gehirnerschütterung zu erleiden.

 

Ein funktioneller Mundschutz sollte nach Empfehlung der DGZMK folgende Eigenschaften haben:

  • Bedecken des Zahnfleisches in Ober-, und Unterkiefers
  • Keine Beeinträchtigung des Bisses und  der Kieferstellung
  • Kein negativen Einfluß auf die sportliche Leistungsfähigkeit
  • Keine Beeinträchtigung der Atmung und der Lautbildung
  • Hohe Festigkeit und Haltbarkeit 
  • Leicht zu reinigen, Geschmacks- und Geruchslosigkeit
  • Die Möglichkeit der Anpassung an wechselndes Gebiss und festsitzende kieferorthopädische Geräte

Mundschutz-Schienen sollten im Oberkiefer getragen werden. In Ausnahmefällen (ausgeprägter Vorbiß des Unterkiefers) könnte eine Anfertigung im Unterkiefer notwendig werden.

Empfohlen wird ein individuell durch den Zahnarzt hergestellter Mundschutz. Nach Abformung beider Kiefer werden Gipsmodelle hergestellt, auf denen in einem professionellem Labor im Vakuum-Pressverfahren Schienen aus 3 -4 mm starkem flexiblem Ethylvenylacetat- oder Polyvenylacetat-Folien tiefgezogen werden. Im Normfall solle die Extension der Schiene vestibulär 2mm unterhalb der Umschlagfalte enden. Palatinal soll die Extension 10mm über den Zahnfleischrand hinausragen. Diese Art des individuell hergestellten Mundschutzes biete den besten Schutz und sei konfektionierten oder konfektionierten, angepassten Mundschutz-Schienen deutlich überlegen.

 

Augrund der hohen Anzahl von Verletzungen bei Kindern könne die Empfehlung ausgesprochen werden, diese mit einem Mundschutz auszustatten, sobald sie anfangen am organisierten Sport mit Körperkontakt, Sturzgefahr oder Benutzung von Sportgeräten teilzunehmen.

Nach jedem Gebrauch sollten die Schienen gründlich mit Bürste und Wasser und Seife gereinigt werden. Die Aufbewahrung sollte feucht erfolgen z.B in einer antiseptischen Mundspüllösung, um durch Austrocknen einem Verlust an Flexibilität vorzubeugen.

Die Autoren betonen, das nur ein individuell, durch den Zahnarzt hergestellter Mundschutz, der die geforderten Eigenschaften erfülle, nach wissenschaftlichem Ermessen sportbedingt Verletzungen im Zahn-, Mund-, Kieferbereich verhindern oder deren Ausmaß deutlich verringern könne. 

Abb.: Erkodent tripple pro ®

Beispiel eines individuell hergestellten Mundschutzes. Hier bestehend aus 3 Lagen unterschiedlichen Härtegrades für maximale Schutzfunktion. Die Schienen lassen sich je nach Bedarf individualisieren, was im Team-Sport von großem Nutzen sein kann. Durch ihre ausgezeichnete Passung behindern sie die Atmung nicht und die Lautbildung wird kaum eingeschränkt. Die Impressionen gewährleisten eine zusätzliche Abstützung des Unterkiefer. Dies führt zu einer optimalen Schutzfunktion des Zahn-, Mund-, Kieferbereiches und zu einer Verringerung des Risikos einer Gehirnerschütterung.

Die DGzPRsport empfiehlt die Verwendung von individuell hergestellten Mundschutzschienen im Spitzensport und unterstützt die Aussagen von Mischkowski und Zöller im Sinne der wissenschaftlichen Leitlinie der DGZMK.

 

MH-Hannover /Publikationen/ Vortragsduplikat

Kranke Zähne verkürzen das Leben – von Zähnen und allgemeiner Gesundheit

Prof. Dr. med. dent. Jörg Eberhard, MME

Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde

Inhalt
(1) Kranke Zähne: Daten und Fakten

(2) Neue Studien und Ergebnisse der MHH (3) Résumé

Gingivitis

Parodontitis / Parodontose

Die Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS) 2005 zeigte, dass 52,7% der 35- bis 44-jährigen Deutschen an einer Parodontitis leiden.

40000000981000

Parodontitis ist eine chronische, bakterielle orale Volkskrankheit die meist unversorgt bleibt.

Bakterie und Botenstoffe gelangen aus dem Zahnfleisch in die Blutbahn.

Bakterien

Botenstoffe

DeStefano et al. 1993 (25-74 Jahre alt, 16 Jahre Beobachtung)

Von 3542 Patienten ohne Parodontitis verstarben 92 (2,5%).

Von 1786 Patienten mit Parodontitis verstarben 151 (8,5%).

Ein genetischer Zusammenhang zwischen Parodontitis und Arteriosklerose ist nachgewiesen.

Bochenek G, Häsler R, El Mokhtari NE, König IR, Loos BG, Jepsen S, Rosenstiel P, Schreiber S, Schaefer AS. The large non-coding RNA ANRIL, which is associated with atherosclerosis,

periodontitis and several forms of cancer, regulates ADIPOR1, VAMP3 and C11ORF10. Hum Mol Genet. 2013 Nov 15;22(22):4516-27.

Schaefer AS, Bochenek G, Manke T, Nothnagel M, Graetz C, Thien A, Jockel-Schneider Y, Harks I, Staufenbiel I, Wijmenga C, Eberhard J, Guzeldemir-Akcakanat E, Cine N, Folwaczny M, Noack B, Meyle J, Eickholz P, Trombelli L, Scapoli C, Nohutcu R, Bruckmann C, Doerfer C, Jepsen S, Loos BG, Schreiber S. Validation of reported genetic risk factors for periodontitis in a large-scale replication study. J Clin Periodontol. 2013 Jun;40(6):563-72.

Richter GM, Graetz C, Pohler P, Nothnagel M, Dommisch H, Laine ML, Folwaczny M, Noack B, Eickholz P, Groessner-Schreiber B, Jepsen S, Loos BG, Schreiber S, Schaefer AS. Common genetic risk variants of TLR2 are not associated withperiodontitis in large European case-control populations. J Clin Periodontol. 2012 Apr;39(4):315-22.

Patienten mit Parodontitis haben ein

1,3 bis 4,3-fach erhöhtes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis.

Inhalt
(1) Kranke Zähne: Daten und Fakten

(2) Neue Studien und Ergebnisse der MHH (3) Résumé

Studie I

Sind klinisch unauffällige Entzündungen des Zahnfleisches im Blutkreislauf nachweisbar?

Studie I

36 junge Personen im Alter 18-25 Jahren • herz- und kreislaufgesund
keine Allgemeinerkrankungen

mit Mundhygiene

ohne mit Mundhygiene Mundhygiene

Tag 0 baseline

Tag 21 Tag 42 gingivitis Re-

evaluation

Blutabnahme

Blutabnahme

Blutabnahme

Eine Zahnfleischentzündung erhöht systemische Marker der Arteriosklerose

Eine Zahnfleischent-

zündung verstärkt die Bindung von

Entzündungs- zellen an

Gefäßzellen

Leichte

Zahnfleischentzündungen führen zu Veränderungen im Blut und können an Gefäßveränderungen teilhaben.

Eberhard J, Grote K, Luchtefeld M, Heuer W, Schuett H, Divchev D, Scherer R, Schmitz-Streit R, Langfeldt D, Stumpp N, Staufenbiel I, Schieffer B, Stiesch M. Experimental gingivitis induces systemic inflammatory markers in young healthy individuals: a single-subject interventional study. PLoS One. 2013;8(2):e55265.

Studie II

Hat eine Sportintervention Einfluss auf das biologische Alter (Rebirth active)?

Telomere

beim Nabelschnurblut haben Telomere die volle Länge

Schutz vor Mutationen • verkürzen sich bei Zellteilung

um 200 bp • biologischer Tod

Ältere Athleten zeigen längere Telomere

Telomerlänge

Werner C, Circulation 2009

Studie II

59 gesunde Männer im Alter 45-65 Jahren • vorwiegend sitzende Tätigkeit
keinen Sport in der Freizeit

210 Minuten/Woche individuelles Sportraining

vor dem Training

3 Monate

6 Monate

Blutabnahme, Zahnbefund

Blutabnahme, Zahnbefund

Blutabnahme, Zahnbefund

Körperliche Leistungsfähigkeit nimmt durch Training zu

p<0,001

p<0,001

40 30

20 10 0

vor Training

3 Monate

6 Monate

VO2max[ ml/min/kgKG]

Parodontitis verhindert den günstigen Einfluss eines Trainings auf das biologische Alter

4000
3750
3500
3250
3000

p=0.008 (Greenhaus-Geissner)

ohne Parodontitis

p=0.025

mit Parodontitis

6 Monate

vor Training

3 Monate

Telomer-Länge (bp)

Positive Effekte sportlicher Aktivität werden nur

erreicht, wenn keine chronischen Entzündungsprozesse (z.B. Parodontitis) vorliegen.

Eberhard J, Stiesch M, Kerling A, Bara C, Eulert C, Hilfiker-Kleiner D, Hilfiker A, Budde E, Bauersachs J, Kück M, Haverich A, Melk A, Tegtbur U. Moderate and severe periodontitis are independent risk factors associated with low cardiorespiratory fitness in sedentary non-smoking men aged between 45 and 65 years. J Clin Periodontol. 2014 Jan;41(1):31-7.

Studie III

Haben Zahnfleischerkrankungen Einfluss auf eine Sportintervention bei nicht- insulinpflichtigen Diabetes mellitus Patienten?

Studie III

46 Frauen und Männer im Alter 18-79 Jahren • nicht-insulinpflichtiger Diabetis mellitus Typ II

210 Minuten/Woche individuelles überwachtes Sporttraining

vor dem Training

3 Monate 6 Monate

Blutabnahme

Blutabnahme

Blutabnahme

Ergebnisse
Nach 3 Monaten Sportintervention haben Patienten in der Gruppe mit

besonders schlechten Hba1c (Glycohämoglobin) Werten :

Übergewicht (BMI!)
geringe körperliche Leistungsfähigkeit (VO2max") • Bluthochdruck, systolisch und diastolisch
hohe Serum Glucose Werte nüchtern
hohe hsCRP Werte

starkes Zahnfleischbluten
bei gleicher Trainingsbelastung (Zeit)

Die Hba1c Werte lassen sich erklären durch BMI, hsCRP und Ausmaß des Zahnfleischblutens.

Chronische Entzündungen (Zahnfleisch) korrelieren mit den

Hba1c Konzentrationen bei nicht-insulinpflichtigen Diabetikern in einer Sportintervention.

Résumé I

Kranke Zähne (Zahnfleischerkrankungen) sind:

eine unterversorgte Volkskrankheit
Risikofaktor für Herzerkrankungen
können negativen Einfluss auf Therapiemaßnahmen

haben

Erkrankungen der Mundhöhle bleiben NICHT auf die Mundhöhle beschränkt.

Résumé II

  •  Zahngesundheit (Zahnfleisch) der Bevölkerung verbessern.

  •  Zahngesundheit (Zahnfleisch) bei der Prävention und Therapie von Allgemeinerkrankungen wahrnehmen und ggf. in die Therapie einschließen.

Vielen Dank!

Deutsche Rheumaliga/Publikationen

Nicht nur wund im Mund - Risiken sehen

Wunde Stellen, Wucherungen oder Schmerzen in der Mundhöhle sind auch mit anderen entzündlichen Prozessen im Körper verknüpft. Die Wissenschaft spricht heute von einer gegenseitigen Beeinflussung. Auch für rheumatische Erkrankungen gibt es dafür direkte Hinweise

Auf der einen Seite können entzündliche Erkrankungen der Mundhöhle, darunter Zahnbetterkrankungen (Parodontitis), erhöhte Risiken für einige Allgemeiner- krankungen darstellen. Andererseits können allgemeine Erkrankungen sich auf die Mundgesundheit auswirken und bereits frühzeitig in der Mundhöhle erkannt werden. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen weisen das nach. Der gefährlichen Parodontitis voraus geht eine Zahnbettentzündung, die sogenannte Zahnfleisch- entzündung (Gingivitis). Die Gingivitis wird durch zahlreiche in der Mundhöhle vorkommende Bakterien und Mikroorganismen verursacht, die sich dort einnisten und zu einer chronischen Entzündung führen können. Ob sie sich weiter verstärkt und in eine Entzündung des gesamten Zahnbettes (Parodontitis) übergeht, hängt von der Menge und der Aggressivität der Mikroorganismen ab, aber auch davon, wie intakt das gesamte Immunsystem ist. Daneben gibt es zahlreiche Risikofaktoren, die diesen Entzündungsprozess verstärken.

Parodontale Medizin

Diese Risikofaktoren können jede Phase der Entzündung beeinflussen und erklären auch die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mundhöhlenerkrankungen. Neben individuellen Risikofaktoren (Adipositas, Ernährungsfaktoren, Alter) zählen auch der sozioökonomische Status, Stress, Zigaretten- und Alkoholkonsum und genetische Faktoren dazu. Aber auch systemische Erkrankungen, darunter Diabetes mellitus, Osteoporose und Adipositas, konnten in Zusammenhang mit fortgeschrittenen Parodontitiden gebracht werden.

Seit einigen Jahren ist andererseits auch bekannt, dass Patienten mit einer Parodontitis nicht nur unter einem lokalen Bindegewebs- und Hartgewebsverlust leiden, sondern auch ein erhöhtes Risiko für systemische Erkrankungen aufweisen. Dieser Zusammenhang wird als „parodontale Medizin“ bezeichnet. So konnte bei Parodontitis-Patienten eine Häufung von kardiovaskulären Erkrankungen wie Arteriosklerose, Myokardinfarkt und Schlaganfall nachgewiesen werden. In den vergangenen Jahren gab es auch zunehmend Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Parodontitis und rheumatischen Erkrankungen.

Rheumatoide Zusammenhänge

Parodontitis und RA sind beide durch einen Verlust von bindegewebigen und mineralisierten Strukturen gekennzeichnet. Im Verlauf kommt es zu einer Anreicherung von entzündlichen Zellen (Gingivitis, Parodontitis oder Synovitis im Gelenk), die den Abbau von Knochen- und Knorpelgewebe sowohl im Gelenk als auch im Zahnhalteapparat verursachen. Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist der Grund dafür bei beiden Erkrankungen nicht klar, man beobachtet jedoch Zusammenhänge: Patienten mit einer RA erkranken bis zu achtmal häufiger an einer Parodontitis als „Gesunde“. In Studien konnte gezeigt werden, dass diese RA- Patienten auffallend hohe Entzündungswerte aufwiesen. Die Schwere ihrer Parodontitis stand ebenso mit der Dauer und Aktivität der RA in Verbindung. Neuere Erkenntnisse zeigen nun, dass bei konsequenter Behandlung der Parodontitis die Entzündungsmarker von RA-Patienten im Blut sinken und sogar die Krankheits- aktivität nachlässt.

In einer Studie an der Uniklinik in Pittsburgh wurden 40 RA-Patienten behandelt, die sowohl eine hohe Krankheitsaktivität als auch eine ausgeprägte Parodontitis hatten. Eine Reinigung des Zahnfleischs und die Behandlung der Infektionen im Mundraum linderten sowohl die Gelenkschmerzen, als

auch die Zahl der geschwollenen Gelenke und die morgendliche Steifheit der Gelenke. In einer anderen wissenschaftlichen Untersuchung wurden Antikörper eines bakteriellen Mikroorganismus der Mundflora, der „Porphyromonas gingivalis“ in der Gelenkflüssigkeit von RA-Patienten nachgewiesen. Diese Bakterienart wird dann häufiger in der Mundhöhle gefunden, wenn das Immunsystem nicht ausreichend ausreichend intakt ist (zum Beispiel bei allgemeinen entzündlichen Erkrankungen oder unter das Immunsystem unterdrückender Therapie). Nach einer genauen Erklärung für diesen Nachweis wird derzeit geforscht. Möglicherweise kann diese Bakterienart auch die Bildung rheumatischer Antikörper fördern.

Aufgrund des entzündlichen Geschehens können beispielsweise Menschen mit rheumatoider Arthritis vermehrt mit Zahnfleischproblemen zu tun haben. Aufgrund der oft eingeschränkten Fingerbeweglichkeit haben sie auch reduzierte Möglichkeiten der Mundhygiene und sind deshalb für Gingivitis und Parodontitis anfälliger.

Kiefergelenkbeschwerden

Viele Rheumapatienten berichten über zusätzliche Kiefergelenkbeschwerden, die hauptsächlich durch entzündliche Veränderungen, wie an den anderen Gelenken auch, bedingt sind. Diese Veränderungen können zur Zerstörung des Kiefergelenkköpfchens führen. Es gibt einige Erkrankungen, wie die progressiv systemische Sklerose (Sklerodermiepatienten), bei denen die Möglichkeit, den Mund zu öffnen, durch vernarbtes Bindegewebe deutlich reduziert ist. Diese kann bis zu zehn Zentimeter weniger betragen als bei Gesunden. Zusätzlich verstärken die Hautveränderungen dieses Problem, sodass eine gute Mundpflege nicht ausreichend möglich ist und somit das Risiko für Erkrankungen der Mundhöhle, des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates erhöht ist. Genaue Daten dazu werden derzeit untersucht.

Gingiva-Hyperplasien

Bei einigen Patienten, die eine antirheumatische Therapie mit Immunsuppressiva erhalten, werden schmerzlose Wucherungen des Zahnfleisches beobachtet (Gingiva- Hyperplasien). Sie stellen zum einen ein kosmetisches Problem dar, aber führen auch zu einer eingeschränkten Pflege der Zähne und können somit die bereits beschriebenen Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

Sjögren-Syndrom

Mit zunehmendem Alter nimmt bei vielen Menschen die Speichelproduktion im Mund ab, oft verursacht durch Dauermedikation oder Fehlernährung. Aber auch bei Patienten mit einem Sjögren-Syndrom wird dieses Problem häufig beobachtet. Die verminderte Speichelproduktion führt nicht nur zur oft beschriebenen Mundtrockenheit, sondern auch zu einer Anreicherung von bakteriellen Belägen. Die daraus entstehende Milchsäure ist aufgrund mangelnder Verdünnung besonders aggressiv. Es kommt vermehrt zu Plaque- und Zahnsteinbildung, zu Reizungen und letztlich zum Abbau von Knochen und möglichem Zahnverlust.

Progressiv systemische Sklerose

Menschen mit progressiv systemischer Sklerose haben eine mangelhafte Durchblutung der Zahnschleimhaut. Vermehrte entzündliche Stellen zeigen Hinweise für eine Gingivitis als Vorstufe einer möglichen Parodontitis. Auch diese Patienten berichten oft über Mundtrockenheit.

Morbus Behçet

Bei Morbus Behçet werden bevorzugt die Schleimhäute in Form von Einrissen (Aphten) und Geschwüren (Ulzerationen) befallen. Diese schmerzhaften Schädigungen erschweren allgemeine Mundhygienemaßnahmen und begünstigen auf diese Weise Zahnbetterkrankungen.

Insbesondere die regelmäßige zahnärztliche Kontrolle ist für Betroffene mit rheumatischen Erkrankungen dringend zu empfehlen. Wer Zahnfleischwucherungen, Zahnlockerungen oder Zahnwanderungen mit Zahnfleischrückgang oder sonstige Irritationen im Mundbereich entdeckt, sollte das dem Zahnarzt umgehend mitteilen. Dabei wird auch der fachliche Austausch zwischen dem behandelnden Zahnarzt und Rheumatologen in Zukunft immer wichtiger.

Quelle: mobil 03/2010, Mitgliederzeitschrift der Deutschen Rheuma-Liga